Vereinsgeschichte

Vereinsgeschichte

Vereins- Historie: Der Gartenverein „Fortschritt“ Gaschwitz e. V.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges gab es bei vielen Einwohnern in Gaschwitz den Wunsch ein kleines Stück Land zu nutzen, um in erster Linie die eigene Familie mit Obst und Gemüse zu versorgen. Auf einer Ackerfläche mit der Größe von etwa 300 x 150 Meter wurde dafür zunächst Grabeland zur Verfügung gestellt. Dieses Gelände befand sich zwischen der Reichsbahnsiedlung und dem Mühlenweg neben der Straße vom Ortskern zur Harth.

Am Anfang wurden die kleinen Flächen als Grabeland genutzt und 1947 das Gelände schließlich parzelliert. Damit entstanden etwa 130 Kleingärten. Die Pächter schlossen sich im gleichen Jahr zusammen und gründeten den Kleingartenverein „Fortschritt“ Gaschwitz. Alle Kleingärtner und Kleingärtnerinnen im Verein waren in der DDR im „Verband der Kleingärtner, Siedler u. Kleintierzüchter“ (VKSK) organisiert und die Anlagen wurden als Kleingartensparte bezeichnet. Die Gärten waren damals keine reinen Erholungsgärten mit Rasenflächen und Blumenbeeten, sondern dienten der Versorgung. In den folgenden zwanzig Jahren waren die Gärten vorwiegend Nutzgärten zum Anbau von Gartenbauerzeugnissen, was auch den Richtlinien und Empfehlungen des VKSK entsprach. Sinnvolle Freizeitgestaltung, körperliche Aktivität und die Freude, wenn die Mühe mit hohen Erträgen belohnt wurde, waren das Ziel der Mitglieder.

 

Die Kleingartenanlage war in ihrer Ausstattung sehr einfach angelegt. Es gab zum Beispiel für die Gärten keinen Stromanschluss. Auch gab es nur eine Wasserentnahmestelle in der Nähe des Haupteinganges. Alle Kleingärtner*innen mussten sich hier ihr benötigtes Wasser holen.
Die wohl stärkste Veränderung erfuhr der Verein mit der Auflösung der Kleingartensparte wegen des nahenden Braunkohletagebaues in den Jahren 1968 bis 1970. Deshalb wurde in dieser Zeit nach einer Möglichkeit zum Erhalt des Kleingartenvereins und der Schaffung einer neuen Kleingartensparte gesucht. Diese ergab sich dann auch auf einem Streifen nördlich und westlich der neuerrichteten Wohnhäuser in Gaschwitz. Von der Gemeinde wurde das Gelände für den Aufbau einer neuen Kleingartensparte an den Verein verpachtet. Hier entstanden zunächst 33 neue Gärten. Gleichzeitig wurde eine weitere Fläche zwischen der Hauptstraße und dem Gelände der DR vom Sportplatz bis zum Stellwerk an den Gartenverein verpachtet. Hier entstand ein zweiter Anlagenteil mit 24 Kleingärten. Ein dritter Anlagenteil entstand hinter den Wohnhäusern im Bereich des Hans-Steche-Weges mit insgesamt 14 Gärten. Am Ende des Neuanfangs bestand die Kleingartensparte aus drei örtlich getrennten Anlagenteilen, die unter den internen Bezeichnungen „Am Park“ „Turnhalle“ und „Hans-Steche-Weg“ geführt wurden. Mit diesem Bestand gestaltete sich die gesamte Tätigkeit des Vereins bis 1990.

 

Mit dem Einigungsvertrag änderte sich ab Oktober 1990 die Vereinsarbeit im Kleingartenwesen grundlegend. Seitdem richten sich alle Aktivitäten der Kleingärtner*innen am Bundeskleingartengesetz aus. Die Organisation im VKSK endete und neue Strukturen entstanden in der Form der Kreisverbände und des Landesverbandes. Der Verein schrieb sich eine neue Satzung, wurde wirtschaftlich selbständig und schloss sich dem Kreisverband Leipzig der Kleingärtner Westsachsen e. V. an. Das BKleingG gestattet den Kleingärtnern und Kleingärtnerinnen umfangreiche Rechte, aber es sind ihnen auch viele Pflichten für die Nutzung und Ausstattung der Kleingärten vorgegeben. Das umzusetzen, ist heute die tägliche Anforderung an jedes Mitglied.

 

Bis heute gab es in den zurückliegenden 30 Jahren immer wieder Veränderungen. So wurde im Jahre 1995 die Kleingartenanlage um weitere 16 Gärten (Bahnergärten) erweitert. Jedoch sind im Jahre 2002 auch 13 Gärten im Bereich der Teilanlage („Turnhalle“) wegen des Baues der Autobahn A 38 beseitigt worden. Sehr zahlreiche Pächterwechsel fanden statt, aber auch freie Gärten wurden wegen mangelnden Interesses mit verpachteten Parzellen zusammengelegt. In der Gegenwart hat der Kleingartenverein „Fortschritt“ Gaschwitz e. V: insgesamt 69 Kleingärten in seinem Bestand.

 

Der Kleingartenverein in Gaschwitz besteht heute nunmehr bereits über 70 Jahre. Es wird jedem verständlich sein, dass ein erfolgreiches Fortbestehen über einen so langen Zeitraum sehr viel Engagement für die Gestaltung des Vereinslebens sowie organisatorische Arbeit erfordern. Diese ehrenamtliche Arbeit ist in all den Jahren von vielen Vorstandsmitgliedern geleistet worden. Jährliche Mitgliederversammlungen, regelmäßige Vorstandsitzungen und Schulungen durchzuführen, waren erforderlich. Auch solche Veranstaltungen wie Tanzabende, Erntefeste, Kinderfest oder Schlachtfestfahrten wurden organisiert und von den Mitgliedern dankend angenommen. Da der Kleingartenverein kein Vereinsheim hat, ist es erforderlich, dass für die Veranstaltungen die entsprechende Räumlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Von der Gemeinde Gaschwitz als auch von der Stadt Markkleeberg gab es bisher dankenswerter Weise immer ein großzügiges Entgegenkommen.

 

Wie in einer großen Anzahl von Vereinen ist auch in unserem Verein das Durchschnittsalter der Mitglieder mit 55 Jahren sehr hoch. Um den Fortbestand zu sichern, ist es das Ziel in der Zukunft bei jungen Familien das Interesse an einem Kleingarten zu wecken und sie als Vereinsmitglieder zu gewinnen.

Autor: Reinhard Pätzold